Europäische Bildungspolitik 2021 - Beitrag von Nicolas Engelbarts

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Heinrich
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Europäische Bildungspolitik 2021 - Beitrag von Nicolas Engelbarts

Beitrag von Heinrich »

Hier finden Sie einen Beitrag von Nicolas Engelbarts, dbb Europareferent, aus den dbb europathemen (16. Jahrgang | Nr. 1/2021), welcher den Aufschlag zur Diskussion machen soll.

Susanne Lin-Klitzing, Professorin an der Universität Marburg, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbands DPhV und Vorsitzende der dbb Fachkommission für Schule und Wissenschaft wird dabei wie folgt zitiert:
„Grundsätzlich ist es begrüßenswert, dass die Kommission den europäischen Bildungsraum weiter ausbauen will. Wir unterstützen dies, wo es um die Weitung von Horizonten und die Entwicklungschancen der Lehrenden und Lernenden geht. Die unterschiedlichen Traditionen innerhalb Europas gilt es aber zu respektieren. Dies gilt insbesondere für das jeweilige Bildungsverständnis. Für die Forschung kommt es auf den produktiven Wettbewerb an, nicht nur von Ideen, sondern auch von innovativen Methoden.“
Europäische Bildungspolitik 2021
Für ihre Bildungspolitik sind in erster Linie die EU- Mitgliedstaaten selbst zuständig. Dennoch sieht das europäische Vertragsrecht vor, dass die EU die bildungspolitischen Aktivitäten der Mitgliedstaaten unterstützt, koordiniert und ergänzt. Dabei beschränkt sich dies nicht auf die allgemeine und die berufliche Bildung, sondern reicht von der frühkindlichen Erziehung bis zum Universitätsstudium, umfasst informelle Bildung ebenso wie Konzepte des lebenslangen Lernens. In den Verhandlungen über die EU-Finanzen bis 2027 spielten die Ausgaben für das Austauschprogramm Erasmus+ eine wichtige Rolle, das ein zentrales Instrument der europäischen Bildungspolitik ist. Gleichfalls zum Jahresende 2020 legte die Europäische Kommission neue Initiativen für den europäischen Bildungsraum vor. Auch für 2021 stehen in Brüssel bildungspolitische Maßnahmen auf der Agenda.

Zusätzliche Milliarden, unter anderem für Bildung beziehungsweise das Austauschprogramm Erasmus+, waren ein wichtiges Zugeständnis der Mitgliedstaaten, damit der neue Mehrjährige Finanzrahmen für die EU-Haushalte bis einschließlich 2026 sowie das gewaltige 750-Milliarden-Corona- Hilfspaket noch rechtzeitig vor Jahresende von Rat und Parlament angenommen werden konnten. Die Mittel für Erasmus+ wurden auf insgesamt 26 Milliarden Euro nahezu verdoppelt. Über das Austauschprogramm betreibt die EU seit über 30 Jahren eine erfolgreiche Politik für die schrittweise Schaffung eines europäischen Bildungs- und Erfahrungsraums, der seit den 1990er Jahren die Lebensläufe vieler Menschen prägt. Gefördert werden längst nicht mehr nur Studentinnen und Studenten, sondern auch Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte an allgemein– und berufsbildenden Schulen.

Für die Generation Erasmus, zahlreiche Europäerinnen und Europäer zwischen 20 und 50 Jahren, ist Europa gefühlt schon lange ein Bildungsraum. Gleichwohl bestehen für die wechselseitige Anerkennung formaler Abschlüsse, aber auch informellen Lernens viele Hürden fort. Es bleibt also viel zu tun. Im vergangenen Herbst veröffentlichte die EU- Kommission eine Mitteilung, die den weiteren Weg zu einem europäischen Bildungsraum aufzeigt. Bis 2025 soll er verwirklicht sein. Gleichzeitig legte sie einen Aktionsplan für digitale Bildung vor. Die Mitgliedstaaten werden angehalten, mehr in die Bildung zu investieren und besser zusammenzuarbeiten, „damit Europäerinnen und Europäer aller Altersgruppen das reiche Bildungs- und Berufsbildungsangebot in der EU ausschöpfen können“, wie die Kommission klar hervorhebt.

Lernende und Lehrende sollen sich im europäischen Bildungsraum frei bewegen und seine Potenziale voll ausschöpfen können. Der digitale und der ökologische Wandel gehen in den Vorstellungen der Kommission eine enge Verbindung ein, bilden das Leitmotiv für den europäischen Bildungsraum. Die EU-Kommission hat klare Zielvorstellungen: Auslandsaufenthalte und das Erlernen von zwei Fremdsprachen sollen bei voller Chancengleichheit zur Norm, Schul- und Hochschulabschlüsse EU-weit anerkannt werden. Eine europäische Identität, ein europäisches Bewusstsein soll entstehen.

Bereits für dieses Jahr sind konkrete Folgemaßnahmen für die Verwirklichung des Europäischen Bildungsraums bis 2025 vorgesehen. Die Kommission kündigt in ihrem Arbeitsprogramm für den Herbst Initiativen zu individuellen Lernkonten und europaweit anerkannten Leistungsnachweisen an. Neben dem Einsatz europäischer Fördergelder dienen ihr vor allem das Europäische Semester und die in dessen Verlauf vorgenommenen Bewertungen und schließlich gegebenen Reformempfehlungen an die Mitgliedstaaten als Instrument, auch ihre bildungspolitischen Ziele zu verwirklichen.
Mit europäischen Grüßen,
Heinrich Kümmerle
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